Donnerstag, 14. Mai 2015

Wharariki Beach & Farewell Spit - Bei Dion (& Lea?)

Ach meine Lieben, wo bin ich hier nur gelandet! Es ist unfassbar. Der vermutlich schlechteste Tausch, den ich hätte machen können!

Lasst mich vorne beginnen... vom sonnigen Hanmer Springs aus starte ich über den Lewis Pass, der schöne Aussichten zu bieten hat, nach Norden Richtung Küste. Die Strecke ist alpin und kurvig - hoch und runter, links und rechts - Konzentration ist angesagt und 7 Stunden Autofahrt schlauchen mich ganz schön.

Ich fahre immermal wieder durch Sonne und Regen und hoffe, dass am Ende der Strecke die Sonne lacht, doch das Glück ist mir nicht besonders hold...
Die viel gerühmte Golden Bay präsentiert sich mir als garstige Grey Bay bei wolkenverhangenem Himmel und nasty Nieselregen. Zu allem Überfluss natürlich auch noch bei Ebbe... ich versuche mir einzureden, dass ich nicht enttäuscht sein darf, weil es eben ein grauer Tag ist, doch so ganz kann ich es nicht überwinden. Zu sehr hatte ich mich auf Strand und Meer gefreut!

Ein Stückchen weiter finde ich das erste Hinweisschild für den Wharariki Beach Holiday Park und bin froh, dass es nun nicht mehr weit ist. Doch ich fahre und fahre und fahre eine endlose Straße entlang, bis der Asphalt aufhört und es auf Schotter weiter ins Nichts geht...
Es sei "etwas abgelegen" hatte Dion zugegeben. Die Untertreibung des Jahres!

Als ich ankomme melde ich mich an der Rezeption, an der eine Wwooferin namens Vivi sitzt und strickt. Es sei nicht viel los, erklärt sie und meldet meine Ankunft dann über Funkgerät dem Inhaber Dion, der kurz darauf kommt. Handyempfang scheint es also wirklich keinen zu geben!

Ich bringe in der Zwischenzeit mein Gepäck in die dunkle Baracke, die für die nächsten Wochen mein zu Hause sein soll. Sie sieht aus wie ein Dachspeicher, hat nur ein Fenster und zwei Glasscheiben in der Tür, von denen eine fehlt. Das Loch ist mit Folie und schwarzem Klebeband notdürftig versiegelt. Drinnen stehen sieben Betten ohne Bettzeug. Ich war noch nie zuvor in meinem Leben so dankbar für meinen eigenen Schlafsack!

Vivi teilt mir dann mit, dass wir uns in der Baracke nicht häuslich einrichten dürfen. Es muss zu jederzeit aussehen, als ob niemand dort lebe. Ah ja, das klingt ja gemütlich und einladend", denke ich und gehe raus aus dem Raum, der irgendwie modrig und nach feuchtem Holz rieht.

Dann fährt Dion vor. Er hat eine lange dunkle Lockenmähne und zahlreiche Piercings. Er grüßt mich flüchtig, als er von seinem Quad steigt, mit dem er sich über das Gelände bewegt und sagt dann er werde nur kurz das Fenster reparieren, aber er könne ja nebenbei mit mir reden.

Er erklärt, dass er vier bis fünf Stunden Arbeit täglich im Gegenzug für die Unterkunft und 60$ Taschengeld die Woche erwartet. Beim Sprechen klingt er genervt und beendet seine Erklärung mit den Worten: "Eigentlich brauche ich dich nicht. Ich habe jetzt schon zu viele Wwoofer und in einigen Tagen kommen noch zwei. Wenn du also woanders hin kannst, kannst du von mir aus gleich wieder fahren."

Ähm, wie bitte? :(

Ich bin müde und erschöpft von der Fahrt, es ist kalt und ich habe Hunger, ich vermisse meine Freunde in Methven und erfahre statt eines herzlichen Empfangs in der Golden Bay nur desinteressierte Ablehnung vom Gastgeber.

Natürlich versuche ich es sportlich zu sehen. Wenn der Host nicht nett ist, dann sind es aber vielleicht die anderen Wwoofer. Was soll ich euch sagen, meine Lieben? Die Hoffnung stirbt zwar zuletzt - aber sie stirbt!
Noch am selben Abend wollen sich besagte Mitwwoofer treffen und zusammen kochen. Voller Vorfreude sage ich zu, als sie mich einladen mitzukommen. In Vivis Van rattern wir also durch die Nacht die Schotterstraße wieder ein Stückchen runter.

Ich bin aufgeregt, weil ich hoffe, dass bestimmt alles besser wird, wenn ich mit netten Leuten zusammentreffe. Leider nur fröhnen die anderen gewissen Bedürfnissen, die ich nicht habe und mir auch nicht anzueignen gedenke. Wäre ich die Queen, dann wäre ich jetzt not amused. Ich will einfach nur noch weg! :(

Ich bin froh, als der Tag endlich zu Ende ist... doch auch der nächste wird nicht besser!

Nach dem Frühstück putzen wir das Waschhaus. Schön und gut, ich habe kein Problem damit, Reinezumachen. Aber ein Pfund Sandflies von den Plumpsklowänden zu fegen, ist eine ganz eigene Kategorie beim Reinigen von sanitären Anlagen...

Danach werde ich gebeten einige Dachbalken mit Holzschutzmittel zu streichen. Einmal mehr bin ich dankbar,  dass mein Vater mir grundlegende handwerkliche Fähigkeiten vermittelt hat, weil Dion sich nämlich den ganzen Tag nicht blicken lässt (aber immerhin habe ich ihn im Gegensatz zu meiner weiteren Gastgeberin Lea schon kennengelernt). Ich nehme den Pinsel aus der klaren Flüssigkeit, in der er eingeweicht ist und streiche missmutig das Dach. Die Hände voller Farbe stelle ich dann Stunden später fest, dass die klare Flüssigkeit keine Verdünnung ist (wofür ich sie selbstverständlich gehalten habe), sondern Wasser, das beim Ablösen von Farbe etwa so nützlich ist, wie eine Nagelschere beim Rasenmähen.

Nachdem ich meine Hände sauber geschrubbt habe, will ich von der ach so tollen Golden Bay auch endlich mal was sehen. Ich lasse mir den Weg zu beschreiben, verfahre mich trotzdem, laufe einen trostlosen Strand entlang und gebe nach einer Stunde auf, den Aussichtspunkt noch zu finden, bevor die Sonne untergeht.

Ich gebe zu, dass ich in diesem Augenblick resigniere und mir eingestehe, dass ich ultimativ unglücklich bin an diesem ungastlichen Ort und nur noch weg will. Zurück zu meinen Freunden, zurück nach Methven.

Am nächsten Tag quittiere ich daher den Dienst, sehe mir noch den Strand an und versuche erneut den Aussichtspunkt zu finden, was mir diesmal auch gelingt. Ich packe alles wieder ins Auto und verlasse Wharariki am Folgetag noch vor Sonnenaufgang.

Wisst ihr, meine Lieben, dieser Ausflug in die Golden Bay hat mir noch einmal die erste Lektion in Erinnerung gerufen, die ich auf meiner Odyssee bisher gelernt habe. Dass es nämlich nicht darauf ankommt, wo man ist, sondern mit wem man ist.

Wharariki Beach

Farewell Spit

Dünenlandschaft

Golden Bay vom Lighthouse Lookout

Die Wwofer-Baracke

Cape Farewell 

Gemeinschaftsküche

Kleiner Vogel auf dem Tisch...

Großer Vogel auf dem Tisch :D

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