Samstag, 13. Dezember 2014

Abbey Caves - Reise nach dem Mittelpunkt der Erde

Nachdem es in den letzten Tagen viel geregnet hat, konnten wir nicht besonders viel tun. Daher wechselten sich Hausarbeit und Unkrautziehen je nach Wetterlage ab. Heute jedoch scheint es halbwegs trocken zu bleiben sodass wir (nachdem wir einen Steingarten mit Agaven angelegt haben) zu den Abbey Caves fahren.

Dabei handelt es sich um drei natürlich entstandene Höhlen, die nicht miteinander verbunden sind.
Logan und seine achtjährige Tochter Lucy führen uns durch abschüssiges Grasland, in dem bereits einige Felsen wahllos verstreut liegen, zur Organ Cave - der ersten Höhle.
(Tatsächlich stiegen wir auch in die Middle Cave und in die Ivy Cave hinab, doch die erste gefiel mir am besten :)

Wir benutzen die extra angebrachte kleine Trittleiter, um über einen Zaun zu dem Trampelpfad zu gelangen, der uns zur Höhle führen soll. Riesige Farne, Palmen und moosüberwucherte Felsen säumen den Weg, der uns an einen Felsvorsprung bringt. Von hier aus haben wir freie Sicht auf einen schwarzen Schlund, der sich mit aberwitzigem Gefälle vor uns in die Tiefe gräbt.

Prissi und ich tauschen einen vielsagenden Blick und staunen nicht schlecht, als Lucy flink und behende über die grobschlächtigen Felsbrocken in das schwarze Loch hinabzuklettern beginnt.
Da wir uns von einer Achtjährigen nicht in die Tasche stecken lassen wollen, beginnen wir mit dem abenteuerlichen Abstieg in die erste Höhle.

Ich bin noch nie in eine Höhle hinabgestiegen, daher wähle ich meine Tritte vorsichtig und sorgfältig aus. Die Steine fühlen sich kalt und nass an und ich muss mich konzentrieren und mir Halt für Hände und Füße suchen, um mir durch die Felsen einen eigenen Weg zu bahnen. Mein Puls geht schneller, denn das Klettern ist anstrengend aber auch irgendwie spannend :) 

Der Gag ist, dass Prissi und ich unsere dreckigen Arbeitshosen extra ausgezogen und die frisch gewaschenen Jeans angezogen hatten - was für eine Schnapsidee! xD wir hatten die Höhlen eben für leichter zugänglich gehalten...

Je tiefer wir kommen, desto dunkler wird es um uns und so mancher zuvor wohl überlegte Schritt verkommt zu einem selbstbewusst Geratenem.
Als wir schließlich den Boden erreichen, kann ich Wasser fließen hören, aber nicht mehr besonders viel sehen. Logan nestelt derweil an seiner Taschenlampe herum, die sich jedoch nicht dazu herablässt zu leuchten.
An dieser Stelle hätte unsere Höhlenforschung vermutlich ein jähes Ende gefunden, wäre da nicht der Tscheche mit seiner Stirnlampe aufgetaucht.
Er war so freundlich uns zu leuchten, sodass wir uns tiefer in die Höhle vorwagen konnten.

Es traf mich unvorbereitet, als Logan uns schließlich aufforderte, die Schuhe auszuziehen. Ich hatte mir den Besuch bei den Höhlen auf viele Arten und Weisen ausgemalt - aber eine Barfuß-Erkundung war nicht dabei gewesen! Da nasse Schuhe jedoch auch keine Option sind, entledige ich mich kurzer Hand meines Schuhwerks und setze einen Fuß nach dem anderen auf dem kalten, lehmigen Höhlenboden ab.

Die Schuhe bleiben auf einem Stein zurück, als wir durch den murmelnden Bach, der mir mal bis zum Knöchel, mal bis zum Knie reicht, tiefer in die Höhle vordringen.

Das Laufen auf dem unebenen Kiesbett gestaltet sich recht abenteuerlich, denn da wir nur über eine Lampe verfügen, deren Ausrichtung ich nicht beeinflussen kann, ist es oft ziemlich finster, was mich dazu veranlasst mich an der Wand entlang zu tasten.

Nach einer Weile bleibt Logan stehen und ich stelle mich auf einen Stein, um dem eiskalten Wasser für einen Moment zu entrinnen. Dann weist Logan auf die Decke und bittet den Tschechen um das Ausschalten der Lampe, sodass uns dicke schwarze Dunkelheit umfängt.

Ich finde das Gefühl ein wenig beklemmend, doch dafür werde ich entschädigt, als ich meinen Kopf hebe und nach oben schaue.

Hunderte winziger Lichter tummeln sich an der Decke, schwach grünlich schimmernd wie kleine Sterne, deren Leuchtkraft zunimmt, je länger das Licht aus ist.
Für mich sind die Glow Worms (eine Art Glühwürmchen) ein wirklich erhebender Anblick! Das Phänomen der Biolumineszenz, der natürlichen Leuchtkraft von Pflanzen und Tieren, fasziniert mich nämlich unheimlich :)

Wenig später schaltet der Tscheche seine Lampe wieder an und Logan weist uns auf einige silbrig glänzende Fäden in einer Felsnische hin, die wie mit Sekundenklebertröpfchen versehene Spinnenfäden aussehen und den Glow Worms zum Beutefang (auf dem Speiseplan stehen hauptsächlich Insekten) dienen.

Anschließend begeben wir uns auf den Rückweg. Ich verzichte auf meine Socken und versuche im Halbdunkel meine Füße aus dem Wasser in die Schuhe zu bekommen, weil ich auf nassen Lehm an meinen Füßen gerne verzichten kann ;)

Wir klettern das Felsgeröll wieder hinauf und schon hat die Welt uns wieder!

Dieser Ausflug erinnert mich an Jules Vernes Roman Reise nach dem Mittelpunkt der Erde, in dem zwei Forscher in einen Vulkan bei Reykjavik hinabsteigen und wundersamen Welten begegnen. Bei der Lektüre dieses Werks fiel mir ein Zitat ins Auge, dass mir für meine eigene Reise passend erscheint:

"Also ausgestattet und versehen hat man keinen Grund, eine weite Reise zu scheuen."

Und hier bin ich und reise :)

Beste Grüße meine Lieben!

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